Thema
NEURALGIE
neuralgiforme Schmerzen
Die Begriffe:
·
Neuralgie
- bei der echten, klassischen Neuralgie liegt kein
Dauerschmerz vor,
sondern es kommt in sehr unterschiedlichen Zeitabständen im Ausbreitungsgebiet
eines sensiblen (=
Wahrnehmung / Empfindung betreffend)
oder gemischten (=
Wahrnehmung / Empfindung sowie
Muskel
aktivität betreffend)
Nervs zu eher kurzen
Schmerzattacken. Es
liegt auch keine Sensibilitätsstörung
(= Störung der Empfindlichkeit,
Empfindung) vor und es gibt keine nachweisbare Ursache.
Theoretisch könnte diese
Schmerz
form (echte
Neuralgie)
jeden Nerv betreffen. Die Praxis zeigt aber, daß nur wenige
Nerven
dieses Krankheitsbild entwickeln können.
· Neuralgiforme Schmerzen - dieser Ausdruck wird benutzt, wenn die Schmerzen denen einer echten Neuralgie zwar ähnlich sind, die Nervenerkrankung letztlich im engeren Sinne aber nicht als echte Neuralgie bezeichnet werden kann.
Es sei jedoch auch darauf hingewiesen, daß inkorrekterweise die Bezeichnung Neuralgie auch für organisch begründbare Schmerzen im Ausbreitungsgebiet eines Nervs infolge Hypoxämie (= herabgesetzter Sauerstoffgehalt im Blut), mechananischer, toxischer (= giftiger, durch Gift verursachter). oder infektiöser (= ansteckungsfähiger, ansteckender, übertragbarer) Nervenschädigung verwendet wird, streng genommen könnte man bei diesen Ursachen allenfalls von einer "symptomatischen Neuralgie" sprechen.
Folgende Nervenerkrankungen werden zwar als Neuralgie bezeichnet, erfüllen in aller Regel aber nicht die eindeutigen Kriterien:
· Interkostalneuralgie (neuralgiforme Schmerzen an der Brust wand)
· Horton-Neuralgie, auch als Bing-Horton-Neuralgie bezeichnet (immer wiederkehrende Schmerz en im Schläfe nbereich)
· Ischiasneuralgie (neuralgiforme Schmerzen im Bein, Oberschenkel rückseite, seitlicher und hinterer Unterschenkel bis in den Fuß)
· Morton-Neuralgie (neuralgiforme Schmerzen im Bereich der vorderen Fußsohle)
· Postzosterische Neuralgie (Nervenschmerz nach Gürtelrose)
· Wurzel-Neuralgie (Schmerzen nach einer Affektion (= Störung, Erkrankung) einer Nervenwurzel, so z.B. Wurzelkompression)
Was passiert bei einer (echten) Neuralgie ?
Aus bisher ungeklärter Ursache, vermutlich aber durch Störungen im Metabolismus (= Stoffwechselvorgänge), ist die Nervenzelle nicht in der Lage, ein stabiles Membranpotential (= bioelektrische Aktivität an biologischen Strukturen mit abschließender, begrenzender oder trennender Funktion) von 60-90mV (= 60-90 tausendstel Volt) aufrechtzuerhalten, weshalb schon geringe taktile (= den Tastsinn betreffende) und thermische (= die Temperatur betreffende) Reize zu einer Depolarisation (= Verminderung oder Aufhebung der Spannung an der Trennschicht) und damit zu Schmerzen führen können. Die nachfolgende Repolarisation (= Wiederaufbau der Spannung an der Trennschicht) erfordert von der Zelle eine hohe energetische Leistung, die dem ohnehin geschwächten Metabolismus (= Stoffwechselvorgänge) zusätzlich abverlangt wird. Mit jeder De- und nachfolgenden Repolarisation erschöpfen sich zunehmend die energetischen Reserven und das Membranpotential sinkt weiter ab, wodurch die Anfälligkeit auf depolarisierende (= Verminderung oder Aufhebung der Spannung an der Trennschicht bewirkende) Reize weiter zunimmt; damit tritt ein Circulus vitiosus (= Teufelskreis) ein, der aber im Rahmen der speziellen Schmerztherapie mit Hilfe von wiederholten Nervenblockade n mit einem lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittel nachhaltig unterbrochen werden kann (die sog. therapeutische Lokalanästhesie). Nervenblockaden in größerem Abstand (z.B. 2 x /Woche) reichen aber nicht aus, sondern es muß eine engmaschige Blockadeserie durchgeführt werden, optimal 2x/Tag über 14-12 Tage, auch an Wochenenden, was aber nur im Rahmen einer stationären Schmerzbehandlung möglich ist.
Folgende Krankheitsbilder entsprechen den Kriterien einer (echten) Neuralgie:
Die einzelnen Krankheiten (echte Neuralgien):
Idiopath
ische
Trigeminusneuralgie:
Die
Trigeminusneuralgie ist gekennzeichnet durch anfallsartige
Schmerzattacken mit
maximaler Stärke und überwiegend kurzer Dauer (Sekunden).
Der
Schmerz bereich deckt sich
mit dem Ausbreitungsgebiet des betroffenen
Nerven
astes.
Eine
Schmerzattacke kann
auch durch physiologische, taktile
(= den Tastsinn betreffend),
thermische oder propriozeptive
(= den Eigenreflex betreffende)
Reize ausgelöst werden. Häufige Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen)
sind Kauen, Sprechen oder bestimmte
Gesicht
s
bewegung
en, die
Berührung
bestimmter Hautareale, die Einwirkung von Wasser oder generell Kälteexposition.
Meistens sind bei der
Trigeminus-Neuralgie
Triggerpunkte bzw. Triggerzonen
(= Punkte, Zonen, die Schmerzen auslösen können)
identifizierbar. In der Regel treten die
Schmerzanfälle
streng einseitig auf (5% beidseitig) und überwiegend im 2. und 3. Ast (ca. 4% 1.
Ast) (Thoden 1987).
Die Beschwerden treten oft periodisch auf, schmerzfreie Intervalle sind häufig.
Manchmal gehen die Attacken der
Trigeminus-Neuralgie
auch in äußerst schmerzhafte längere Salven über. Bei stärksten
Schmerzattacken
treten Zuckungen der
Gesicht
s
muskulatur
hinzu (Tic doulour
eux).
Im Anfall ist die betroffene
Gesicht
spartie meist leicht gerötet, bedingt durch den
Schmerz kann
Tränensekretion ausgelöst werden, was dann oft zur Verwechslung mit dem
Cluster-Kopfschmerz führt, besonders wenn der 1. Ast betroffen ist. Im
Unterschied zum
Clusterkopfschmerz
treten die Attacken meist nur am Tage auf.
Bei der körperlichen Untersuchung sind die zugehörigen Nervenaustrittspunkte oft
druckschmerzhaft (bei ca. 60%). Das weibliche Geschlecht und Patienten jenseits
des 40. Lebensjahres erkranken häufiger an einer
Trigeminusneuralgie. Diagnostik: Ausführliche
Schmerzanamnese
(= Vorgeschichte), neurologische
Untersuchung, bei unklaren Befunden (z.B. neurologische Defizite) zusätzlich
Röntgenaufnahme der Schädelbasis und CT, u.U. auch Kernspintomographie sowie
Liquordiagnostik (=
Untersuchung des Hirnwassers).
Medikamentöse
Schmerztherapie
der
Trigeminus-Neuralgie:
Als erste Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin,
als 2. Wahl Carbamazepin. Die
Kombination mit Baclofen hilft Gabapentin
bzw. Pregabalin oder Carbamazepin
einzusparen. Bei ungenügender Wirkung können 300-400 mg Phenytoin oder 3-8
mg Clonazepam versucht werden. Gute Resultate sahen wir teilweise auch unter
einer Therapie mit Lamotrigin.
Alternativ, oder in Kombination zur Einsparung von Antikonvulsiva
(= krampflösende Mittel),
kann auch das zentral wirksame
Muskel
relaxans Baclofen
(= im
Rücken
mark, Gehirn wirkendes
Mittel zur
Muskel
entspannung)
versucht werden.
In der Regel sind bei dieser
Schmerzerkrankung peripher wirksame
Analgetika (=
Schmerzmittel) ohne Nutzen,
zentral wirksame allenfalls in hoher Dosierung. Bei stärksten Schmerzat
tacken mit statusähnlichem Charakter hat sich die Verabreichung von
Phenytoin als Kurzinfusion bewährt.
Bewährt hat sich bei der Tr
igeminus-
Neuralgie insbes. die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
(Le
eser
et He
fermann, Sch merzklinik Bad
Mergen
theim
1989). Dabei werden je nach individueller Wirkzeit 2-3 x täglich die betroffenen
Gesicht
s
nerven
bzw.
Nerven
äste an ihren Austrittspunkten (Foramen supraorbitale, infraorbitale oder
mentale) mit ca. 1 ml
Bupivacain 0,5% blockiert und die im Anfall dominanten
Schmerzareale und Triggerzonen flächenhaft mit ca. 2-3 ml Bupivacain
infiltriert. Eine Leitungsanästhesie der
Nerven maxillaris und mandibularis kann
auch durch die Incisura mandibulae
(= Einkerbung des
Unterkiefer
s nahe am
Kiefergelenk) hindurch mit jeweils ca. 2-3 ml Bupivacain (0,5%) erfolgen.
Unter dieser konsequenten, täglichen Therapie
kann dann eine bestehende Gabapentin-, Pregabalin- oder auch
Carbamazepin-Medikation langsam ausschleichend reduziert werden, ohne daß
heftige Schmerzattacken auftreten.
Neurochirurgische Interventionen sollten bei Tr
igeminus-
Neuralgie nur dann zum Einsatz
kommen, wenn medikamentöse Behandlungsversuche erfolglos bleiben.
Nichtmedikamentöse Therapiemaßnahmen haben sich bei
dieser
Schmerzkrankheit nicht oder
nur ungenügend bewährt.
Intermediusneuralgie:
Diese
Gesichtsneuralgie
ist gekennzeichnet durch streng einseitige, attackenförmig lanzierende
(= einsch ießende)
Schmerzen im Bereich des äußeren Gehörgangs mit Ausstrahlung in die Tiefe des
Ohr
es, zum
Gesicht,
bis hin zum
Gaumen
dach und
Oberkiefer. Häufig
strahlen die Beschwerden auch nach hinten bis zum
Nacken aus. Oft
gesellt sich eine Hypersekretion der Speicheldrüsen
(= vermehrte Speichelbildung)
dazu.
Neben der idiopathischen
(= eigenständige Erkrankung)
gibt es auch eine symptomatische
(= als Krankheitsfolge) Form bei
Herpes zoster des Gangl
ion geniculi, wobei auch eine
Fazialisparese (=
Lähmung der
Gesicht
s
muskeln)
auftritt.
Die Therapie der Wahl besteht
bei der
Intermedius-Neuralgie
in der Verordnung von Antikonvulsiva
(= krampflösende
Mittel) (Gabapentin oder Pregabalin
als erste Wahl). Erfolgversprechend ist auch eine Serie von Blockaden des
Ganglion stellatum
- oder
Ganglion cervicale superius
(= Betäubung einer vegetativen
Schaltstelle im seitlichen Halsbereich bzw. hinter dem
Rachen).
Bei der
Hunt-Neuralgie
handelt es sich ebenfalls um eine Neuralgie des Nervus intermedius, die
aber im Zusammenhang mit einer Zosterinfektion
(=
Gürtelrose) entstand.
Glossopharyngeusneuralgie:
Diese Neuralgie ist gekennzeichnet durch streng
einseitige paroxys
mal
(= anfallsartig) einsch
ießende,
heftige Schmerzsensationen, die vorwiegend im Bereich des
Rachen
s, des weichen
Gaumen
s und des
Zunge
ngrundes auftreten, manchmal auch mit Ausstrahlung zum
Ohr hin oder in die
Zähne. Eine weitere
Ähnlichkeit mit der Tr
igeminus- Neuralgie besteht
darin, daß oft Triggermechanismen
(= schmerzauslösende Mechanismen)
im Schmerzbereich vorliegen.
Die Diagnose ist einfach, wenn durch Spateldruck in der Tonsillenregion
(= Mandelregion)
ein typischer
Schmerzanfall
ausgelöst werden kann. Teilweise geben die Patienten an, daß auch durch Gähnen
oder ausgedehnte Zungenbewegungen At
tacken ausgelöst werden können.
Synkopen (= kurze
Bewußtlosigkeit) und Herzstillstände
sind beschrieben, dürften jedoch äußerst selten sein. Manchmal strahlen die
Beschwerden zum Mastoid
(=
Knochen
hinter dem
Ohr) aus, was zur Verwechslung mit der In
termedius- Neuralgie führen kann. Wie bei der Tr
igeminus- Neuralgie kommen auch
schmerzfreie Intervalle vor.
Therapeutisch gelten bei diesem
Gesichtsschmerz
als Mittel der ersten Wahl Gabapentin oder Pregabalin, als zweite Wahl Carbamazepin.
Hilfreich, vor allem wenn die Attacken nicht so häufig auftreten, ist auch eine
Oberflächenanästhesie im hinteren
Rachenbereich
mit 2%igem Lidocain (=
ein mittellang wirkendes
örtliches Betäubungsmittel)
in Sprayform. Mittels des langen und dünnen Auslaßröhrchens können die einzelnen
Hübe ziemlich genau in den Triggerbereichen plaziert werden. Der Patient kann
die Anwendung ohne weiteres vor dem Spiegel erlernen. Bei einer solchen
Selbstmedikation muß wegen der Gefahr der Überdosierung die Anzahl der
Einzelhübe und der möglichen Gesamthübe eines ganzen Tages vorgeschrieben
werden.
Bei der
Glossopharyngeus-Neuralgie kann auch eine wiederholte Infiltrationsanästhesie
(= Spritzen mit einem
örtlichen Betäubungsmittel) mit
Bupivacain 0,5% versucht werden. Der Einstich erfolgt am
oberen Rand des vorderen
Gaumen
bogens, ca. 1-2cm neben der Mittellinie. Eine gute Therapiemöglichkeit
bietet auch die Gangl
ion cervicale superius- oder
Stellatumblockade
(= Betäubung einer vegetativen
Schaltstelle im seitlichen Hals- bzw.
Rachen
bereich).
Vor neurolytischen (=
nerven
zerstörenden)
Blockaden ist wegen der Gefahr der Nekrosebildung
(= örtlicher Gewebstod)
und nachfolgender Infektion dringend zu warnen. Nach Janetta (1967)
können die neuralg
ischen Beschwerden durch eine Kompression des
Nerven
durch die A. vertebralis
(= Schlagader im Bereich der
Wirbelsäule)
entstehen, wobei sich eine operative
Dekompression (=
Druckentlastung) anbietet.
Laryngeus superior-Neuralgie:
Diese Neuralgie ist
gekennzeichnet durch heftige, attackenförmige Beschwerden, die in der Regel
sekundenlang (bis zu 2 Min) anhalten. Die Beschwerden werden hauptsächlich im
seitlichen Kehl
kopf
bereich verspürt, nicht selten aber dominieren die Ausstrahlungen zum
Unterkiefer (Kiefer
winkel) bis zum
Ohr
läppchen oder
Gaumen und geben
dann zur Verwechslung mit der Glossophar
yngeus- Neuralgie Anlaß. Es
bilden sich typische Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen) wie Schlucken, Sprechen, Husten oder starkes Gähnen aus. Wie bei der Tr
igeminus- Neuralgie sind im
Langzeitverlauf auch schmerzfreie Intervalle möglich.
Die Beschwerden treten streng einseitig auf. Der Nerv entstammt dem N. vagus
(= ein sog.
Hirnnerv). Er tritt seitlich durch
die Membrana thyroidea hindurch, wo er einer
Betäubung mit einem
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel)
zugänglich ist. In hartnäckigen Fällen wird man sich zu Stel
latum- oder Gangl
ioon cervicale superius-Blockaden
(= Betäubungen einer
vegetativen Schaltstelle im seitlichen Hals- bzw.
Rachen
bereich)
entschließen.
Ansonsten gelten medikamentös als Mittel der Wahl ebenfalls Gabapentin oder Pregabalin.
Ganglion pterygopalatinum-Neuralgie
(Sl
uder-Neu ralgie):
Diese
Gesichtsneuralgie
ist charakterisiert durch länger dauernde Attacken (bis zu 20 min, selten länger)
die sowohl am Tage als auch in der Nacht auftreten können.
Betroffen ist einseitig die Orbita (= Augenhöhle),
der innere Augenwinkel und die
Nase
nwurzel, oft mit Ausstrahlungen zum
Oberkiefer,
Rachen
und
Ohr. Als
charakteristisch gilt ein anfallsartiger heftiger Niesreiz (Soyka 1989).
Wie bei
Cluster-Kopfschmerzen tritt häufiger Tränen- und
Nase
nfluss auf.
Oftmals läßt sich das Schmerzbild als
Clusterkopfschmerzen und
Zervikalsyndrom
auflösen, so daß die Sluder-
Neuralgie als eigenständiges
Schmerzsyndrom
umstritten ist (Thoden 1987).
Nasociliaris-Neuralgie (Charlin-Syndrom):
Der Nervus nasociliaris ist ein sensibler Ast des Nervus opht
halmicus, der mit seinem Endast (N.
infratrochlearis) die Unterlidschleimhaut sensibel versorgt.
Diese einseitig auftretende Neuralgie ist gekennzeichnet
durch unterschiedlich lang anhaltende
Schmerzattacken im
Bereich des inneren Augenwinkels mit regelmäßiger Ausstrahlung zur Orbita
(= Augenhöhle) und zum
Nase
n
rücken. Während des
Schmerzanfalls kommt es oft zu einer Rötung und verstärkten Schweißsekretion im
Bereich der schmerzseitigen
Stirn
hälfte. Triggermechanismen (= Auslösemechanismen) sind beschrieben. Am Auge können entzündliche Veränderungen vorhanden
sein.
Die Therapie dieser
Gesichtsschmerzen
orientiert sich an der des
Bing-Horton-Kopfschmerz
es (Cluster-Kopfschmerz
es). Besonders zu empfehlen ist die intranasale
(= in die
Nase)
Oberflächenanästhesie mit z.B. Lidocain-Spray 2%
(= ein mittellang wirkendes
örtliches Betäubungsmittel).
Hilfreich sind oft auch
Infiltrationen im Gebiet des Gangl
ion ciliare mit einem lang wirkenden
Lokalanästhetikum
(= örtliche
Betäubungsmittel) oder
Stellatumblockaden.
Occipitalneuralgie:
Die primäre, idiopathische
(= als eigenständige Erkrankung auftretende)
Okzipitalisneuralgie
ist selten. Es treten einseitig e inschießende
Kopfschmerzen im
Versorgungsgebiet des Nervus occipitalis major auf (Hinterkopf
bis Scheitelhöhe).
Die Diagnose einer
Okzipitalis-Neuralgie
wird durch eine probatorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte)
Nervenblockade mit z.B. 1-3 ml
Mepivacain
(= mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
gesichert. Wie bei der Tr
igeminus- Neuralgie liegt
auch bei der
Okzipitalneuralgie
häufiger eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch einen meist einseitig
auftretenden
Kopfschmerz und
längerfristigen Schmerzepisoden bis hin zu einem
Dauerschmerz.
Medikamentös kann zur Behandlung ein Antikonvulsivum
(= eigentlich Mittel gegen die
Fallsucht, aber auch bei einer Neuralgie wirksam),
z.B. Carbamazepin oder Gabapentin bzw. Pregabalin (siehe oben / Tr
igeminus-
Neuralgie) eingesetzt werden. Die Wirkung einer wiederholte Betäubung /
Blockade des
Nervs
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel ist oft erstaunlich positiv.
Spermatikus-Neuralgie (Samenstrang-Neuralgie):
Diese Neuralgie ist gekennzeichnet durch kolikartige, zum
Damm
ausstrahlende
Samenstrang
- und
Hodenschmerzen. Nicht selten wird die
Neuralgie durch eine
Nervenschädigung
des genitofemoralis ausgelöst.
Zur Behandlung ist die
kontinuierliche Blockade des Plexus lumbalis
(= Nervengeflecht im
Lenden
bereich)
mit Katheter (= eingepflanzter dünner Kunststoffschlauch)
hilfreich.
Pudendus-Neuralgie:
Die
Pudendus-Neuralgie
ist eine seltene Ursache für heftige, zum Teil
e inschießende Schmerzen im
Geschlechtsbereich und der
Damm
region. Sie wird durch mechanische oder entzündliche Schädigung des
Nervus pudendus in der
Beckenregion
ausgelöst. Hierbei kann es zu Schmerzen im
After,
Enddarm,
Damm,
Ha
rnröhre,
Scheide, Kl
itoris sowie
Penis und
Hodensack kommen.
Der Schmerzcharakter wird bei der
Pudendusneuralgie meist als diffus, manchmal aber auch als stechend,
brennend,
e inschießend, ziehend oder nadelstichartig beschrieben.
Neuralgie
des N. ischiad
icus
Eine echte
Ischias-Neuralgie (Ischiasneuralgie), als eigenständiges Krankheitsbild, gekennzeichnet durch
häufige, attackenförmige Schmerzen von wenigen Sekunden Dauer entlang des
Nervenverlaufs (Rückseite
Oberschenkel,
hinterer und äußerer
Unterschenkel,
evtl. bis zur Groß
zehe), ist selten.
Diese Neuralgie kann erfolgreich mit wiederholten
Ischias-Blockaden mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel behandelt
werden. In hartnäckigen Fällen kommt die
kontinuierliche Blockade /
Betäubung mit Katheter
(= eingepflanzter dünner
Kunststoffschlauch) zur Anwendung.
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).
Wer bezahlt eigentlich eine erforderliche, stationäre
Rehabilitationsbehandlung?
(Originaltext der Bundesregierung): "Die Krankenversicherung finanziert
Rehabilitationsleistungen, wenn diese erforderlich sind, um eine Kran
kheit zu erkennen,
zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Beschwerden zu lindern,
sofern die Erwerbsfähigkeit nicht erheblich gefährdet oder gemindert ist.
Sie ist auch zuständig, wenn es darum geht, einer drohenden Behinderung oder
Pflegebedürftigkeit vorzubeugen".
Hinzu kommt seit dem
1.4.2007, daß alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf
eine Rehabilitation haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung jetzt
sogar selbst aussuchen können.
Die Rentenversicherungen sind demnach nur dann zuständig, wenn die
"Behandlungen der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit bzw.
Wiedereingliederung ins Berufsleben dienen". Wenn also Ihre
Rentenversicherung in diesem Sinne laut Bescheid keinen Handlungsbedarf
sieht, dann ist Ihre Krankenkasse für die Kostenübernahme der stationären
Rehabilitation zuständig.
Auch ist die Krankenkasse selbst
Kostenträger, wenn eine Behinderung oder eine Pflegebedürftigkeit droht. Die Originaltexte finden Sie hier:
http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
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